Egal ob sie vom Anfänger oder vom Meister gespielt wird: Die Gitarre ist für ihn (oder sie) ein Werkzeug zum Musizieren. Dazu muss sie geeignet sein. Auch wenn eine gute Gitarre noch kein Rezept für den Erfolg ist, ist sie doch eine wichtige Zutat. Und diese Zutat kann man sich immerhin aussuchen.
“Die Gitarre sieht doch gut aus, oder? Der Verkäufer hat ihr ein paar tolle Klänge entlockt. Ist das nicht genug?“
Die Kriterien für eine gute Konzertgitarre sind bei „Profigitarren“ und „Anfängergitarren“ grundsätzlich gleich, nur anders gewichtet. Anfänger sollten mit wenig Kraftaufwand spielen können. Der große Ton, um einen Konzertsaal zu füllen, ist noch nicht so wichtig.
Eine Gitarre ist mehr als eine speziell geformte Holzkiste. Der Bau einer Gitarre ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Der Bau einer guten Gitarre ist eine hohe Kunst und erfordert Erfahrung, Sorgfalt, Präzision, Zeit und hochwertiges Holz.
Das Holz muss unter speziellen Bedingungen lagern bevor es verwendet werden kann. Es gibt verschiedene Holzarten in unterschiedlichen Qualitäten. Die Decke ist normalerweise aus Zeder oder Fichte. Diese beiden Holzarten führen bereits zu sehr unterschiedlichen Klangeigenschaften.
Mindestens die Decke sollte aus massivem Holz sein. Das ermöglicht einen vollen, klaren und gestaltbaren Klang.
Für den Boden, die Zarge und den Hals werden oft Palisander, Mahagoni oder Ahorn verwendet. Auch diese Wahl hat Einfluss auf ihren Klang.
Bei einer „vollmassiven“ Gitarre sind auch Zarge und Boden aus massivem Holz.
„Laminiert“ bzw. „gesperrt“ bedeutet, dass mehrere Holzschichten verleimt sind. Einfach zu verarbeiten und stabil, für musikalische Anforderungen aber nicht so gut geeignet. Es gibt auch brauchbare Anfängergitarren mit laminierter Decke. Die sind dann aber kaum billiger als Gitarren mit massiver Decke.
Ton: Eine gute Gitarre hat einen tragfähigen, klaren Ton in allen Tonlagen und Lautstärken. Sie lässt verschiedene Klangfarben zu. Sie spricht leicht an und klingt lange nach. Diese Eigenschaften sollen sich im Lauf der Zeit möglichst verbessern, jedenfalls nicht verschlechtern.
Spielbarkeit: Die Form des Gitarrenhalses und eine optimale Saitenlage. Das heisst, dass man jeden Ton leicht greifen kann, andererseits aber auch laut anschlagen kann, ohne dass die Saite auf den Bünden schnarrt.
Schon kleine Unterschiede in den Proportionen der Gitarre führen zu großen Unterschieden im Kraft- und Bewegungsaufwand beim Spielen.
Eine pauschale Empfehlung halte ich nicht für sinnvoll. Es gibt Marken und Modelle, die ich persönlich vorziehe und andere, die ich nicht so gern mag. Aber die Qualität einer Marke kann sich im Lauf der Zeit ändern und die einzelnen Exemplare sind nicht immer gleich gut. Meine Schüler sind unterschiedlich, nicht für alle ist das gleiche Modell optimal.
Ich empfehle deshalb Anfängern, den Gitarrenlehrer aussuchen zu lassen und Schülern, die schon ein bisschen spielen können, zusammen mit ihm Gitarren auszuprobieren. Das macht Spaß und man findet die für sich optimale Gitarre.
Im Musikgeschäft hat man die Möglichkeit, die Gitarren vor Ort auszuprobieren und kann vielleicht sogar verschiedene Exemplare desselben Modells vergleichen. Auch wenn die Preise etwas höher sind als im Versandhandel, ist das die Sache wert!
Eine für Anfänger gut geeignete Gitarre kostet 200-300€ incl. Zubehör. Wenn man weniger ausgeben kann oder will, empfehle ich den Kauf einer derartigen Gitarre in gebraucht.
Bei fortgeschrittenen Schülern ist eine Gitarre für einen vierstelligen Euro-Betrag kein Luxus.
„Ich gebe doch nicht 200 Euro aus und nach drei Monaten liegt das Ding in der Ecke!“
Eine vorhandene Gitarre, die Mängel hat, aber in etwa die passende Größe, spielbar und stimmbar ist, ist für ein paar Monate in Ordnung.
Musikschulen bieten oft Leihgitarren an.
Gitarren gibt es in verschiedenen Größen, die entweder nach der Mensur (Länge der schwingenden Saite) bezeichnet werden oder nach einem System, das es auch bei Streichinstrumenten gibt. Eine „ganze“ Gitarre hat eine Mensur von 65 cm, eine 7/8-Gitarre etwa 62 cm, 3/4 etwa 58 cm, 1/2 etwa 53 cm und 1/4 etwa 48 cm.
Kinder haben andere Proportionen als Erwachsene. Das wird auch bei den Kindergitarren berücksichtigt. Dabei gibt es aber keine Norm und die Firmen bzw. Gitarrenbauer setzen das unterschiedlich um. Eine Gitarre mit einer Mensur von 58 cm kann also immer noch ein eher schmales oder breites Griffbrett haben, einen dicken oder dünnen Hals. Der Korpus kann groß oder klein sein sowie flach oder tief. Einerseits bieten diese Variationen Möglichkeiten z.B. für Gitarristen mit durchschnittlicher Körpergröße, aber kleinen Händen. Andererseits kann man sich dadurch nicht allein auf „3/4“ oder „58 cm“ verlassen.
Die passende Größe der Gitarre ist Voraussetzung, um richtig spielen zu können. Die Normalgröße ist für „durchschnittliche Erwachsene“ ausgelegt. Dabei passt auch für viele Erwachsene eine 7/8-Gitarre besser.
Durch eine zu große oder zu kleine Gitarre hat man Mühe beim Spielen und gewöhnt sich wahrscheinlich die Haltung und Technik falsch an. Das ist später schwer zu korrigieren.
Mit acht Jahren spielen die meisten meiner Schüler auf halben Gitarren, mit 10 Jahren oft schon auf 3/4-Gitarren. Das ist aber nur ein Anhaltspunkt. Wer schon eine gut ausgebildete Greifhand hat, kommt evtl. mit einer (etwas) zu großen Gitarre klar.
Auf der Seite der EGTA (European Guitar Teachers Association) gibt es zu diesem Thema hier eine ausführliche Erläuterung.
Die Gitarre und einige andere Instrumente kann man „linksherum spielen“, also im Vergleich zu Rechtshändern gespiegelt. Wenn das Instrument nicht symmetrisch ist, braucht man dann ein spezielles Linkshänderinstrument.
Die Saiten in der umgekehrten Reihenfolge aufzuziehen ist einfach. Leider reicht das meist nicht aus: Bei Gitarren ist die Stegeinlage schräg angebracht, damit die Intonation stimmt. Wenn man die Saiten einfach austauscht, wird diese Korrektur ins Gegenteil verkehrt. Auf den äußeren Saiten stimmt dann kein gegriffener Ton mehr. Der Steg lässt sich evtl. vom Gitarrenbauer umbauen. Bei guten Gitarren kann es noch mehr Asymmetrien geben.
Der Hauptvorteil des Rechtsherumspielens ist, dass man leichter zu einem Instrument kommt (Kauf, Gebrauchtkauf, Ausleihen, Ausprobieren).